Flieg, Vögelein…
Europas Himmel ist mal nicht überfüllt, Hunderttausende von akustisch gepeinigten Einflugschneisen-Einwohnern genießen mal wieder ihre Gärten, und Merkel wie Guttenberg müssen mit etlichen Touris einsehen, dass Europa manchmal ziemlich groß sein kann. Aber nicht, dass das zu derartigen Einsichten führen würde.
Anstatt Aufklärung über die wirkliche Gefährdung durch die Asche zu fordern, macht gefühlt die gesamte deutsche Journallie mit und moppert herum, dass erstmal der Luftraum gesperrt wird und das Forschungsflugzeug des Zentrums für Luft- und Raumfahrtforschung erst einige Tage nach der Sperrung aufsteigt. Die Fluggesellschaften machen ja schließlich wahlweise knapp Hundert Millionen oder vielleicht auch mal ‘ne Milliarde Verlust (letztere bezogen auf ganz Europa) am Tag.
Hm, mal überlegen… Vielleicht, weil das Flugzeug dafür erstmal eingerichtet werden muss, je nachdem, was man überhaupt messen will? Vielleicht gibt es Messtechnik, die derart teuer ist, dass man das Zeug nicht einfach in den Flieger schmeißt wie die Badeklamotten für 2 Wochen Malle. Nicht zuletzt: Wenn Fluggesellschaften rumschreien, es würde ihnen zu langsam gehen, dann sollen sie doch einfach den Unterhalt eines Fliegers nur für diesen Zweck bezahlen. Für alle anderen möglichen Störfälle natürlich auch. Klar, es gab auch Testflüge von Lufthansa oder anderen und die kommen, oh Wunder, zu dem Schluss, dass alles ungefährlich ist. Niki Lauda stellt sich sogar in die Abendnachrichten (Heute Journal 19.04.) und erzählt, er könne für die Ungefährlichkeit der Asche garantieren. Aber hallo, da ist ja jemand Statistik-Gott. Es ist doch kein Gegenbeweis, nur weil von den 10 Lufthansa-Fliegern, die von München nach Frankfurt überführt wurden, keiner runtergekommen ist. Vielleicht wäre der 11. abgestürzt. Vielleicht auch erst der Hundertausendste. Eine Garantie ist natürlich schon was Feines, sie sollten statt Nachrichten-Interviews lieber diese göttliche Fähigkeit als Geschäftsmodell einführen. Heute sollen die Piloten auf Sichtflug ausweichen. Auf eigene Verantwortung natürlich. Nur dass sich das kein Pilot wirklich aussuchen kann, wenn seines Vorgesetzen Atem schon die Nackenhaare kräuseln lässt.
Und natürlich ist es absolut und ohne irgendeinen Zweifel richtig, erstmal den Luftraum zuzumachen, wenn das einzige Modell, das Modell eines englischen Fachzentrums, eine Gefährung sieht. Klar, jetzt, wo ein Vulkan Asche spuckt, hat natürlich jeder schon Jahre vorher gewusst, dass man ständig entsprechende Messungen hätte machen müssen – aber selbstverständlich zum Unter-Null-Tarif, die Steuersenkung ist ja trotzdem ein Muss.
Wie dumm ist dieses Land eigentlich, wenn es sich plötzlich wundert, dass die Natur ganz schön mächtig ist? Wie verblödet muss man sein, damit man nicht mehr merkt, dass Mallorca eine Insel ist und auch Ägypten nicht nebenan liegt? Und weil es für die gesamtwirtschaftliche Lage so unglaublich wichtig ist, dass TUI auch weiter Asi-Bomber auf die Balearen schicken kann, überlegen die EU-Verkehrsminister schon, ob man nicht den armen Fluggesellschaften unterstützen müsste. Die müssen ja eine Milliarde am Tag abschreiben. Hallo, geht’s noch? Es ist scheißegal, wie viel Verlust die am Tag machen – wenn man 7 Tage nicht fliegen kann, hat man maximal 7 Tage verloren. Wenn das 7 Milliarden sind, ist doch super. Dann hat man von eigentlich 365 Milliarden immer noch 358. Vielleicht sind Alitalia bis Zero-Brain-Air unter die Sozialisten gegangen und planen weniger als 7 Milliarden Gewinn im Jahr ein (wohlgemerkt für fast alle Fluggesellschaften in Europa ZUSAMMEN) und ich hab’s nur nicht mitgekriegt. Die morgige Inkorporation des Spaghettimonsters ist wahrscheinlicher.
So muss die Welt wohl noch ein paar Vulkanausbrüche mehr mitmachen, um zu verstehen, wie anfällig eine derart „perfekte“ Welt ist. Mit dem Unterjochen der Natur ist man stets schlecht gefahren, von den alten Phöniziern bis heute, sie sind ausnahmslos auf die Fresse gesemmelt. Deswegen: Wie wär’s mit ein bisschen mehr Respekt vor der Naturgewalt? So schlimm ist ein bisschen Himmelsruhe auch nicht…




Schönes Fazit! “… auf die Fresse gesemmelt.” klingt herrlich deftig
Vor allem, wenn man in größeren Zeiträumen als nur bis zum nächsten Urlaub denkt …
Die Welt ist nicht statisch, und Gesellschaften sind es auch nicht, wie uns die Geschichte lehrt. Aber wer hört der schon zu
LG
Frank
Also wenn man nicht betroffen, ist herrlich dir zu lauschen, wenn du dich irgendwo drüber aufregst^^
Aber wenn ich das hier mache, geht mein Puls auch meist nicht so hoch. Also auch sehr viel besser, als wenn ich direkt betroffen bin.