Klare Worte von Rektoren…
…sind selten geworden dieser Tage. Als direkt Betroffener und aufmerksamer Beobachter der Bildungspolitik muss man leider den Eindruck bekommen, als ließen sich Hochschulrektoren und Politik zu einer Hin- und Herschieberei von Verantwortlichkeiten herablassen.
Vor einem halben Jahr wetterten Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Ministerin Schavan noch mit einer Stimme gegen die „ewiggestrigen“ Studenten. Nun meldet Tagesschau.de, offizielle Position der HRK sei die Forderung nach einem Bologna-Gipfel mit allen Beteiligten, es fehle von politischer Seite zunächst an Geld. Die nordrhein-westfälischen Rektoren unterschreiben allerdings eine Erklärung, in der sie die Reformen grundsätzlich zu einem Erfolg erklären, so melden die Ruhr Nachrichten vom 27.11.09. Es sei nicht alles so, wie man sich es vorstelle, so der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz NRW, daher wolle man eine Bestandsaufnahme zum Ende des Semesters.
Also wieder vertrösten. Die Studenten sind weiter. Die Studenten wissen, was nicht ideal ist und das wird auch seit Monaten und Jahren schon, zunehmend differenzierter, geäußert. Warum wieder bis zum Semesterende warten? Die Hochschulen wollen klären, wo Entlastungen für die Studenten möglich sind, und wie gut der Praxisbezug ist. Die Antworten sind teilweise schon längst da.
Die Studenten verlieren langsam die Geduld. Die Bundesministerin motzt, die Unis könnten doch längst Probleme mit ihren Studiengängen beseitigen, was allerdings nur funktioniert, wenn die Probleme nicht systemimmanent sind. Wenn doch, können die Unis gar nichts. Quasi ein Dogma, dieser Bologna-Prozess sei nicht systematisch fehlerhaft.
Viel wichtiger wäre eine klare Positionierung der Rektoren. Das müsste eine Solidarisierung mit den Protesten umfassen und eine klare Forderung an die Politik, doch endlich mehr Geld bereitzustellen. Seit Jahren lässt man Unis finanziell ausbluten, hält sie klamm, um schließlich für die Unis, die die Bologna-Reform schnell umsetzen, mehr Finanzmittel bereitzustellen. Solcherlei Verhalten sollte zu Entrüstung der Rektoren und Hochschullehrern führen, gerade, wenn die Studentenschaft schon über Demonstrationen hinausgeht, zu wochenlangen Hörsaalbesetzungen, die bei den Aktiven auch Kräfte zehren.
Wichtig wäre, dass von Hochschulseite ein klares Kontra zur Politik kommt. Sonst schwadronieren die Pinkwarts der Nation weiter daher, man sei auf dem richtigen Weg. Es wird Zeit, dass die Rektoren laut und deutlich verkünden, dass man für mehr Lehr- und Betreuungskräfte auch mehr Geld braucht. Es wird Zeit, dass die Rektoren staatliches Geld den Einnahmen aus Studiengebühren vorziehen, damit mehr Abiturienten aus armen Familien studieren können. Es wird Zeit, dass die Hochschulverantwortlichen begreifen, dass sie und die Studenten nahezu das gleiche wollen. Sie müssen das Spiel begreifen, das Schachern um mehr Geld für die Hochschulen. Wenn sich die Hochschulen auf die Seite derer stellen, die ihnen seit Jahren die Mittel kürzen, wer soll da noch gegen ankommen. Wer jetzt noch den Schulterschluss mit der Politik sucht, macht sich bei Studenten nicht beliebt. Es sieht aus wie zu wenig Arsch in der Hose. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen anders aus…



