Nordeuropa-Chefin von Monsanto im Interview mit der SZ

Das Interview mit Ursula Lüttmer-Ouazane ist an sich nicht überraschend, die Antworten kommen einem bekannt vor. Aber gerade deshalb kann man die Taktik und die Argumentationsweise gut nachvollziehen - sie erinnert an die FDP, die alle Leute, die vor der Erlaubnis kritischer Prozesse alle Leute, die zur Vorsicht mahnen, als Bedenkenträger beschimpfen. Hier firmiert das dann unter dem Begriff „Technologiefeindlichkeit“, die angeblich die Nation erfasst hätte. Trotzdem meint die Monsanto-Chefin nicht, dass man den Einfluss des Widerstandes unterschätzt hätte – gegen Realitätsverlust gibt’s also bisher auch keine Gen-Therapie…

Anschließend wird darüber gejammert, wie viel Schaden den vermarktenden Unternehmen entstanden sei, und dass man in Deutschland generell gegenüber großen Unternehmen argwöhnisch sei – mit Recht möchte ich hinzufügen. Leider führt die SZ das Misstrauen gegenüber Monsanto nur auf die Produktion von Agent Orange zurück, nicht auf zahllose Beispiele von Bauern, die ihre Ernte vernichten mussten (was angeblich ja gar nicht so war), ebenfalls unbeachtet bleibt ein kanadischer Bauer, der Lizenz- und Gerichtskosten tragen musste, weil Pollen von Monsanto-Samen auf seinen Acker geweht waren, und genauso unter den Tisch fallen auch Studien über Sinn und Zweck von Hybrid-Saatgut im Allgemeinen, weil, wie etwa Greenpeace zitiert, der Pestizid-Verbrauch nicht ansatzweise sinkt, sondern teilweise sogar auf das über 50-fache steigt, nur um einen bestimmten Schädling mithilfe genetischer Manipulation ausstechen zu können. Das fällt alles unter „Technologiefeindlichkeit“. Dankeschön für diese überaus hohe Wertschätzung meines, ohne arrogant sein zu wollen, überdurchschnittlichen Intellekts.

Der schönste Teil, soll heißen, der bezeichnende Teil, kommt, wie es sich gehört, zum Schluss – die Vermischung von Gen-Pollen mit konventionellen oder Bio-Samen muss minimiert werden, dazu habe der Gesetzgeber die Abstandsregelungen eingeführt. Dass es völlig absurd ist, für Bio-Felder einen höheren Abstand zu fordern als für konventionelle Felder, bleibt unerwähnt und auch, dass 200 Meter Abstand ungefähr so sinnvoll sind wie ein Piss-Bereich im Pool. Außerdem wird im ersten Satz geleugnet, dass es Vermischungen geben kann („Das ist doch eben durch entsprechende Abstandsregeln geklärt, dass es dazu nicht kommt.“), im direkten Nachsatz wird es aber implizit wieder eingeräumt („Sollte es Einzelfälle geben, muss man in diesen weitersehen und Lösungen finden.“). Über den „Lösungsvorschlag“ für den Fall der Vermischung sag ich hier mal nichts… Dass 1% des deutschen Marktes ein nicht genanntes Ziel sei, ist eigentlich auch eine Lüge – wenn ein Unternehmen mal das Ziel ausgegeben hat, 2050 den Weltnahrungsmittelmarkt zu kontrollieren, dann ist das ohne die deutschen Äcker nicht möglich, wenn man nicht auf den deutschen Markt verzichten will…

Ich finde es bezeichnend, wie dreist gelogen werden kann – aber es zeigt auch, dass Monsanto Angst vor der Wahrheit hat, sonst könnte man ja auch zugeben, welche Pläne die Firma hat…

~ von lowestfrequency am 11. Juni 2009.

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